
Karte von Turabdin
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Turabdin
Schon die Römer hatten den Namen Turabdin("Berg der Knechte") von den alten Völkern des Orients übernommen. Er wurde später auf die Mönche in den vielen Klöstern bezogen, die dort seit dem 4. Jahrhundert entstanden waren und den Turabdin aus christlichem Blickwinkel zum Berg der Knechte Gottes werden ließen. So fern uns heute dieses hochgelegene Kalkplateau in der Südosttürkei zwischen Tigris und syrischer Grenze mit seinen Hügeln und Talsenken auch liegen mag: Schon zur Zeit der römischen und byzantinischen Kaiser wurde nicht nur halb Europa, sondern auch der Turabdin von Rom oder Konstantinopel aus, der jeweiligen gemeinsamen Hauptstadt, regiert. Diese abgelegene Region zog und zieht weiterhin das Interesse an sich, einst als Bollwerk an der Reichsgrenze, später als Zentrum der Syrischen Kirche und heute als Eckpfeiler des Christentums im Orient.
Im Turabdin sind die Menschen beeindruckend: In ihrer Ursprünglichkeit und Einfachheit, in ihrer Verwurzelung im heimatlichen Boden und in ihrem Durchhalten in schwierigen Zeiten, in ihrem Selbstbewusstsein und in ihrer Zurückhaltung. Sie sprechen im Alltag die Sprache Jesu, einen aramäischen Dialekt, der heute als Turoyo bezeichnet wird. Damit sind sie die Träger einer durchgehenden Tradition von den ersten Anfängern der Christenheit bis in unsere Zeit. Hier im Hochland des Turabdin, früher abgelegen und von der großen Welt abgeschnitten, konnten sie ihre Kultur bewahren, die sich nicht in eine andere Region verpflanzen lässt.
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Ruinenfeld zwischen Hah und Derkube
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Schon früh wurde der christliche Glaube im Turabdin verkündet. Bereits aus dem Jahre 120 ist ein Bischof von Beth Zabday (Azakh) bekannt. Die Mönche aber, durch die Turabdin im 4. Jahrhundert endgültig zum christlichen Glauben geführt wurde, lehrten die Menschen in strenger Art zu leben. Umgekehrt baute fast jede Stadt und jedes Dorf ein eigenes Kloster, das man besuchte, um sich in der Not Rat und Kraft zu holen und um die dort bestatteten Heiligen zu verehren. So wuchs ein zutiefst christlich geprägtes Volk heran, das für seine Klöster sorgte und von dort geistliche Gaben empfing. Die Klöster haben deshalb bis heute eine zentrale Bedeutung – auch für das Überleben der Christen im Turabdin in unserer Zeit.
Das heutige Zentrum des Turabdin ist das Kloster Mor Gabriel, das in frühren Zeiten nach einem Dorf in seiner Nähe als Kloster von Kartmin bezeichnet wurde. Von hier aus leitet Erzbischof Timotheos Samuel Aktas die klein gewordene Diözese Turabdin der Syrisch-orthodoxen Kirche und erfühlt manche bischöfliche Aufgabe im Patriarchatvikariat von Mardin; dessen gegenwärtiger Vikar ist Ibrahim Türker, der Abt des Klosters Deyrulzafarn.
So vielfältig das klösterliche Leben auch sein mag, seine Mitte ist die Feier der Liturgie. Im Kloster Mor Gabriel und bei den Gottesdiensten in der Bischofskirche Mort Schmuni in Midyat kann man das kostbbare Erbe westsyrischer Litrugie miterleben. Wenn sich in der Klosterkirche aus dem Jahre 512 die hellen Knabenstimmen mit den kräftigen Stimme der Männer vermischen und Raum und Feier zu einer Einheit verschmelzen, spürt man den ursprünglichen Wurzelboden dieser Liturgie und die Kraft, die von ihr ausgeht.
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Die Marienkirche von Hah
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Neben den Klöstern sind die vielen uralten Kirchen in Dörfern ein einmaliger kultureller Reichtum. Vieles liegt bereits in Ruinen, manche wertvollen Kirchen stehen leer, andere aber werden täglich dreimal- morgens, mittags und abends- zum gemeinsamen Gebet besucht. Dieses reiche Erbe aus frührer Zeit ist auch für die Christen anderer Kirchen ein Schatz, den es zu suchen, zu entdecken und zu bewahren gilt.
Die Christen des Turabdin und seiner Umgebung gehören zum größeren Teil der Syrisch-orthodoxen Kirche an, doch gibt es auch Angehörige verschiedener anderer Kirchen. Alle Christen fühlen sich aber zutiefst verbunden und feiern den Gottesdienst gemeinsam. Ihre Zahl ist klein geworden. Wiederholt wurden sie im Laufe der Geschichte bedrängt und in ihrer Existenz bedroht. Die Konflikte, in die sie im 20. Jahrhundert hineingezogen wurden, veranlassten viele, ihre seit vorchristlicher Zeit abgestammte Heimat zu verlassen. Die in der Heimat Verbliebenen brauchen die Solidarität der ganzen christlichen Welt. Diese wird sie bestärken und in der Überzeugung festigen, dass der christliche Glaube stärker ist als widrige Umstände.
Es ist hier wichtig hinzuweisen, dass Diyarbakir, Mardin und Umgebung, die Dörfer in der Mesopotamischen Ebene, Cizre und Hassana nicht zum eigentlichen Turabdin gehören. Man soll auch diese Städte und Ortschaften ebenfalls einzubeziehen und auf ihre kirchliche Eigenständigkeit zu verweisen.
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