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Tourismus
Seit den Pilgerreisen des Mittelalters bis zum Aufkommen des modernen Tourismus ist Bethlehem immer für seine Gastfreundschaft bekannt gewesen.

Allein im Jahre 1995 kamen eine Million Besucher in die Stadt; das bedeutet im Durchschnitt 50 Reisebusse pro Tag. Trotz dieser hohen Zahl war die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus allerdings nicht mehr groß, da sich der Besucher in der Regel nur etwa 45 Minuten in Bethlehem aufhielt, während er eine viel längere Zeit in Israel verbrachte. Der Tourismus war bis 1995 vollkommen von der israelischen Besatzung abhängig.

Seit Beginn der palästinensischen Selbstverwaltung hat Bethlehem eine eigene Tourismusbehörde, welche die erfolgreichen Traditionen des Tourismus aus der Zeit vor 1967 wiederzubeleben versucht, zugleich aber auch eigene Ideen wie das Projekt Bethlehem 2000 entwickelt. 30 Jahre israelische Besatzung haben der einstmals blühenden palästinensischen Tourismusindustrie großen Schaden zugefügt. Da es keine Genehmigungen gab, konnten keine neuen Hotels gebaut werden, während auf israelischer Seite gleichzeitig Hunderte von Hotels entstanden. Die Zahl der palästinensischen Tourismusunternehmen ist zurückgegangen, während sich die der israelischen Reiseagenturen verzwölffacht hat. Durch gesetzliche Einschränkungen ging bei der Pensionierung palästinensischer Reiseführer auch deren Lizenz verloren, so dass es heute nur noch 50 von ihnen gibt. In Israel arbeiten dagegen 4000 Touristenführer.

In Bethlehem wurden seit 1995 bereits einige neue Hotels gebaut; außerdem entstanden neue Reiseagenturen. Die Universität Bethlehem bietet Kurse im Hotelmanagement an, so dass eine neue Generation in der Lage sein wird, das Tourismusgeschäft wiederzubeleben. Darüber hinaus gibt es inzwischen sehr gute Kurse für palästinensische Reiseführer, die in Zukunft in großer Zahl benötigt werden.

Das Projekt Bethlehem 2000 hat Ressourcen zur Förderung eines großen Stroms von Touristen und Pilgern mobilisiert. Die Restauration des Krippenplatzes ist eine der Attraktionen, die den Aufenthalt in Bethlehem für Besucher angenehmer machen sollen. Das touristische Potential der Stadt ist groß genug, um Israelis und Palästinensern eine Gelegenheit zur Zusammenarbeit zu bieten.

Schnitzereien aus dem Heiligen Land
Perlmutt- und Olivenholzhandwerk
Die Bearbeitung von Perlmutt ist eines der erfolgreichsten Kunsthandwerke in Bethlehem und seiner Umgebung. Dieses Handwerk stammt natürlich ursprünglich nicht aus der Region selbst. Das Material dafür kam zunächst vom Roten Meer und wird heute aus Neuseeland importiert.

Die Arbeitstechnik führten wahrscheinlich die Franziskaner ein, die zu diesem Zweck im 14. Jahrhundert Künstler aus Italien ins Heilige Land baten. Ein Franziskanermönch des 16. Jahrhunderts, Pater Bernard Amico, war bekannt für seine Miniaturnachbildung von Kirchen aus Perlmutt. Zu den wichtigsten aus Perlmutt hergestellten Gegenständen gehören Rosenkränze, Kreuze und Schmuckkästchen.
Olivenholzwerkstatt in Bethlehem
Olivenholzwerkstatt in Bethlehem
Schnitzereien aus Olivenholz sind ein „natürlicheres“ Produkt Bethlehems und seiner Umgebung, in der Olivenbäume in großer Zahl vorhanden sind. Angeblich war es der Heilige Franziskus, der in seiner Heimatstadt Assisi die Geburtskrippe als Schnitzerei einführte. So ist es verständlich, dass diese Kunst der Franziskaner, die sie später auch in ihren Berufsschulen lehrten, in Bethlehem überliefert ist. Aufgrund ihrer abwechselnd hellen und dunklen Holzfasern sind die Olivenholzskulpturen sehr beliebt. Sowohl das Perlmutt- als auch das Olivenholzschnitzhandwerk stehen in enger Beziehung zur Tourismusindustrie und der ständigen Präsenz einer großen Zahl von Pilgern in Bethlehem. Gleichzeitig sind sie ein wichtiger Exportartikel. Es gibt Berichte über Präsentationen dieser Produkte auf Weltausstellungen am Ende des 19. Jahrhunderts, und viele Bethlehemer Bürger haben in Brasilien, Mexiko, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern internationale Handelsnetze aufgebaut.

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